Fernweh ist wie eine Krankheit; hat sich bei mir eingenistet und klammert sich an mein Herz, zerreißt es förmlich und macht jeden Blick auf das strahlende Blau des Meeres zur Qual, weil ich auch dieses Jahr nicht mit einer Auszeit fernab vom Alltag rechnen kann. Seit Tagen suche ich mehr oder weniger günstige Urlaubsangebote und schwelge in den Möglichkeiten, immer mit dem Wissen im betrübten Hinterkopf, dass ich nicht dorthin reisen werde. Wieder werde ich hier feststecken, genau so wie die letzten sieben oder acht Jahre. Der letzte Urlaub an einem der Ozeane liegt so weit zurück, dass sich meine Erinnerung auf einen grünen Baldachin am Strand beschränkt und auf einen kleinen, gelblichen Fisch, der vor meiner Taucherbrille auftauchte, um dann wieder in der Weite des Meeres zu verschwinden. Dabei würde ich so gerne in den nächsten Flieger Richtung Griechenland oder Menorca steigen und mir eine erfrischende Brise salziger Meeresluft um die Nase wehen lassen, mich in die tosenden Wellen werfen, neue Welten - über und unter Wasser - erkunden und mir den feinen Sand langsam durch die Finger gleiten lassen; Ich möchte Olivenbäume bestaunen und die griechische Kultur vor Ort erleben, oder in einer kleinen Bucht Sonnenbaden und das mediterrane Flair der spanischen Insel genießen. Abschalten, fliehen. Irgendwo zwischen felsigen Küsten und dem Ozean mit dem beruhigenden Rauschen der Brandung als süße Symphonie zur Untermalung der Entspannung. Verloren gehen, mich für einen Moment verlieren und an nichts denken. An einem Ort sein, an dem mich niemand kennt, an dem ich neue Inspiration schöpfen kann und zur Ruhe komme. Wenn ich mir Bilder des Meeres ansehe, fühle ich mich ruhig. Es tut mir gut. Haltet mich für bescheuert, aber ich habe mir das Rauschen des Meeres auf Youtube angehört. Ich habe sogar einen Blog nur für Bilder erstellt, die im Zusammenhang mit dem Meer und Urlaub stehen, weil es mich glücklich macht diese anzusehen. Doch ich habe keine Begleitung und bei solch einer Unternehmung möchte man die Erlebnisse mit irgendjemandem teilen, damit man sich gemeinsam erinnern kann und vielleicht auch, damit keine Langeweile aufkommt. Entspannung ist gut, auch zu zweit möglich, doch ich denke irgendwann wird der Moment kommen, in dem man ein paar Worte wechseln möchte. Da es mir schwer fällt Kontakte zu knüpfen, wäre es die logische Konsequenz nicht allein zu reisen. Abgesehen davon möchte ich nicht alleine reisen, weil ich es mir nicht zutraue. Ich bin zu unsicher, zu ängstlich. Immerhin eine Einsicht; allerdings auch eine Einsicht, die mir einige Möglichkeiten verbaut.
Meine Mutter, eine ihrer Schwestern und meine Großeltern fliegen Ende September in die Türkei und ich bleibe mit meinem Vater Zuhause. Nachbuchen wäre eine Option, nur für eine Woche allerdings, weil sich die Termine sonst mit der Uni überschneiden. Ich bin schon fast gewillt, ernster darüber nachzudenken, doch es ist nicht mein Wunschziel. Griechenland und Menorca haben sich in mein Herz gebrannt. Kristallklares Wasser, Felsen und andere schöne gestalterische Bilder der Landschaft, die die Atmosphäre für mich interessant machen. Interessant und unerreichbar. So unerreichbar, dass ich den Gedanken an einen Urlaub auch gleich wieder aufgeben kann. Das Meer in Holland ist erreichbar, aber es ist nicht das selbe, nicht weit genug, nicht Urlaub genug. Vielleicht versteht es jemand, das Feeling ist für mich zu deutsch. Ich habe schon jemanden gefragt, aber sie hat abgesagt, kann nicht mit mir fahren. Viele Leute kommen dann nicht mehr in Frage, einige sind schon im Urlaub, andere fahren demnächst. Darunter meine Mädels, die erste Wahl gewesen wären. Also bleibe ich hier und hänge eine Tapete mit Palmenmotiv an die Wände, bringe mit den Schuhen etwas Sand in mein Zimmer und lege ein paar Muscheln aus. Karibik mitten im Ruhrpott ☼

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